Liebe Gäste

Letztes Jahr an dieser Stelle habe ich mir erlaubt ein paar Bemerkungen zum Thema „So einen verteidigt man nicht“ zu machen. Auf dem diesjährigen Strafverteidigertag wird sich diesem Thema eine ganze Arbeitsgemeinschaft widmen und bereits im Vorfeld wurde bereits lebhaft und kontrovers diskutiert.

Heute möchte ich mich diesem Thema aus einer etwas anderen Richtung nähern.

Ich weiß nicht wann Sie zum letzten Mal in den „Neuen Meistern“ im Albertinum waren. Dort hängt ein Bild von Otto Dix mit dem Titel „Familie des Rechtsanwalts Dr. Fritz Glaser“. Aufmerksam machte mich meine Frau auf Dr. Glaser. Sie wies mich auf einen Aufsatz im Katalog der Ausstellung „Bestandsaufnahme Gurlitt“ hin, die vom 14.9.2018 bis zum 7.1.2019 im Walter Gropius Bau in Berlin zu sehen war.

Zu Otto Dix muss und will ich jetzt nichts erzählen und kann es auch mangels kunsthistorischer Kenntnisse gar nicht. Aber zu Dr. Fritz Glaser will ich Ihnen einige nicht ganz uninteressante Fakten berichten. Ich stütze mich dabei auf den Aufsatz der mir noch unbekannten Kollegin Dr. Sabine Rudolph aus Dresden. Sie hat 2006 in der Zeitschrift „Kunst und Recht“ diesen unter dem Titel „Die Auflösung der Sammlung des Rechtsanwalts Dr. Fritz Salo Glaser“ veröffentlicht.

Dr. Glaser war 1876 in Zittau geboren worden. Sein Vater war der Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Zittau, Fritz Glaser ist allerdings nach dem Tod seines Vaters aus der jüdischen Gemeinde ausgetreten.

Ab 1904 unterhielt er eine eigene Anwaltskanzlei in der Willsdruffer Str.1. Er war im wesentlichen im Steuerrecht tätig. Nach 1918 war er aber auch zehn Jahre Vertragsanwalt der Roten Hilfe.

Während der Weimarer Republik baute er eine beeindruckende Sammlung Moderner Kunst auf, neben Gemälden des eben erwähnten Otto Dix auch mit Werken von Emil Nolde, Paul Klee, Oskar Kokoschka und Wassily Kandinsky.

Nach Entzug seiner Zulassung 1933 musste er seine Bilder nach und nach verkaufen, um den Lebensunterhalt für sich und seine Familie zu sichern. Wie Viktor Klemperer entkam er dem Transport in das KZ Theresienstadt nur durch den Bombenangriff auf Dresden am 13. Februar 1945.

Nach 1945 wurde er dann Landgerichtsdirektor und ab Mitte 1946 wieder Rechtsanwalt.

Im Frühjahr 1947 verteidigte er erfolgreich in einem Verfahren gegen fünf frühere Richter und Staatsanwälte des Oberlandesgerichts Dresden. Diesen wurde vorgeworfen während der Nazizeit Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben. Dr. Glaser hatte aus tatsächlichen und rechtlichen Gründen Freispruch beantragt und die Angeklagten wurden zu milden Freiheitsstrafen verurteilt.

Dies löste einen veritablen „Shitstorm“ aus, ohne dass man damals diese Bezeichnung schon gekannt hätte. Jedenfalls wurde Dr. Glaser sein Status als „Opfer des Faschismus“ aberkannt und eine Rente als Verfolgter des nationalsozialistischen Regimes wurde weder ihm noch seiner Frau nach seinem Tode im Jahre 1956 zuerkannt.

Ich hatte ja vorhin erwähnt dass ich wegen der Gurlitt Ausstellung auf Dr. Glaser aufmerksam gemacht geworden bin. Das könnte zu dem Schluss führen, das Bild „Familie des Rechtsanwalts Dr. Fritz Glaser“ sei während der Nazizeit an Gurlitt zwangsweise verkauft worden.

Aber weit gefehlt. 1957, also kurz nach dem Tod von Fritz Glaser, verkauften es die Ehefrau und die Kinder als Erben an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Im Gegensatz zu den anderen Werken, hatten die Dix-Bilder für Fritz Glaser und seine Familie eine solche Bedeutung, dass sie sich trotz größter Not in der Nazizeit nicht von den Bildern trennten.

Der Verkauf erfolgte, da weder die Witwe noch seine Tochter einen Beruf hatten und so Geld benötigten. Sie hätten es nicht verkaufen müssen, wenn Dr. Fritz Glaser eine Rente als Verfolgter des Naziregimes erhalten hätte. Obwohl Dr. Glaser nun wirklich Verfolgter war, was mehrere Gefängnisaufenthalte zwischen 1933 und 1945 eindrucksvoll belegen.

Und das alles nur, weil er seinen Beruf als Anwalt und den als Strafverteidiger ernst nahm.

Das Bild „Familie des Rechtsanwalts Dr. Fritz Glaser“ und das Schicksal des Dresdner Rechtsanwaltskollegen Dr. Fritz Salo Glaser sind damit gleichzeitig Mahnung und Verpflichtung.

Lassen Sie uns daher bei aller Freude über ein geselliges Zusammensein nicht die wirklich wichtigen Dinge aus den Augen verlieren.

Wir werden dieses Jahr in Sachsen einige Male zu den Wahlurnen schreiten und die soeben genannte Mahnung und Verpflichtung bezieht sich nicht nur auf den beruflichen Ethos.

Sie gilt auch im Politischen. Das Schicksal Dr. Glasers ist auch Mahnung und Verpflichtung autoritären und nationalistischen Strömungen mit aller Macht entgegen zu treten. Und dabei ist es völlig egal, ob diese im braunen oder blauen Gewande daher kommen.

Rechtsanwalt Dresden

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