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Sonstiges

Informationen für Fotografen zur Urlaubsreisezeit

Gilt die Panoramafreiheit europaweit?

Als engagierter Hobbyfotograf beschäftigt man sich natürlich auch mit dem Recht für Fotografen. Schließlich will man seine Bilder nicht nur im privaten Album verstauben oder, moderner, auf der Festplatte schlummern lassen. Man will sie vielleicht in sozialen Netzwerken veröffentlichen, anderen zugänglich machen mit den Fotos an Fotowettbewerben teilnehmen, Kalender oder Fotobücher gestalten und die Bilder auch sonst möglicherweise verwenden.

Als Rechtsanwalt und engagierter Hobbyfotograf wird man zwangsläufig von anderen Fotografen zu rechtlichen Fragen, die mit der Ausübung des Hobbys verbunden sind, zu Rate gezogen.

Das derzeitige „Aufregerthema Nr. 1“ in der Fotografenwelt ist die so genannte Panoramafreiheit.

Aufgrund der Ankündigung, das EU-Parlament könnte die Panoramafreiheit faktisch abschaffen ging, vollkommen zu Recht, ein Aufschrei durch die sozialen Netzwerke. Dabei wurde viel Richtiges gesagt und geschrieben. Aber leider gingen einige Beiträge auch am Thema vorbei.

Seit dem 09.07.2015 steht nun fest, dass die Panoramafreiheit nicht zur Disposition steht. Alles gut, könnte man meinen und den Urlaub im Ausland antreten. Doch damit fangen unter Umständen die Probleme erst an.

Wenn man die Beiträge insbesondere der letzten Tage liest, könnte man auf den Gedanken kommen, alles sei in bester Ordnung und jede Reise ins Ausland aus Fotografensicht vollkommen ungefährlich. Manchmal gewann man den Eindruck, man könne über alle alles aufnehmen und die Fotos nach Belieben verwenden und in sozialen Netzwerken verbreiten und man müsse sich keinerlei Gedanken mehr machen. Voraussetzung sei lediglich, dass man sich auf öffentlichem Grund und Boden befand, als man die Aufnahme gemacht hat. Doch das ist ein Irrtum, der dem Fotografen am Ende noch teuer zu stehen kommen kann.

Zunächst war es einigermaßen verwirrend, wenn Artikel, die sich mit der Panoramafreiheit beschäftigen, mit Bildern aus Frankreich (Eiffelturm bei Nacht) oder Belgien (Atomium) illustriert waren. In diesen Ländern gibt es, wie auch z.B. in Italien oder Griechenland, die so genannte Panoramafreiheit gar nicht.

Eine Regelung, die unserer in § 59 Urheberrechtsgesetz entsprechen würde, haben diese Länder nicht. Zwar gilt einheitlich innerhalb der EU die Schutzfrist von 70 Jahren für das Urheberrecht, welche ab dem Tod des Urhebers gerechnet wird. Nach dieser Schutzfrist erlischt das Urheberrecht. Werke können ohne weiteres abgebildet werden.

Damit besteht aber das Problem nach wie vor, dass Bilder von urheberrechtlich geschützten Werken auch dann nicht verbreitet oder öffentlich zugänglich gemacht werden dürfen, wenn man sich auf öffentlichem Grund und Boden befindet, jedenfalls solange das Urheberrecht besteht.

Im Falle des Atomiums in Brüssel ist das Urheberrecht nicht erloschen. Es gibt eine Verwertungsgesellschaft, die Genehmigungen erteilt, falls eine gewerbliche Nutzung beabsichtigt ist. Es ist aber gestattet, private (!) Aufnahmen beispielsweise in soziale Netzwerke und privat genutzte Blogs einzustellen.

Mehr dazu hier: http://atomium.be/AuthorsRights.aspx?lang=de

 

Der Eiffelturm darf nachts nicht fotografiert werden, wenn die Beleuchtung des Eiffelturms eingeschaltet ist. Der Urheber, Gustav Eiffel, ist seit mehr als 70 Jahren tot. Daher genießt der Eiffelturm tagsüber kein Urheberrecht. Die nächtliche Illumination des Eiffelturms ist jedoch als Gesamtkunstwerk urheberrechtlich geschützt. Auch insoweit gibt es eine Verwertungsgesellschaft, die Genehmigungen erteilt.

Mehr dazu hier:
http://www.toureiffel.paris/en/the-eiffel-tower-image-and-brand/filming-at-the-eiffel-tower.html

In sozialen Netzwerken für Fotografen, jedenfalls bei der fotocommunity, wird auf das Genehmigungserfordernis ausdrücklich hingewiesen.

Immer wieder und schon seit langem wird in verschiedenen Medien, gerade im Hinblick auf beispielsweise Eiffelturm oder auch Atomium auf die „Urheberrechtsfalle“ aufmerksam gemacht. Daran hat sich, auch nach dem 09.07.2015, nichts geändert.

Vor jeder Veröffentlichung in sozialen Netzwerken sollte geprüft werden, ob das erlaubt ist. Zwar ist (siehe obigen Link) beispielsweise die private Verwendung privater Fotos wohl auch vom beleuchteten Eiffelturm ohne vorherige Genehmigung zulässig. Das soziale Netzwerk, vor allem facebook, ist aber keine private Verwendung mehr. Einerseits spricht unter Umständen bereits die (weltweite) öffentliche Erreichbarkeit gegen die „private Nutzung“ anderseits wird mit dem Upload des Bildes Facebook ein (unbeschränktes(!)) Nutzungsrecht eingeräumt. Dieses Recht kann aber naturgemäß nur der Inhaber des Rechts einräumen!

Zwar hat die Nutzungsbedingungen von Facebook sicherlich niemand gelesen, aber das schließt die Verantwortlichkeit nicht aus.

Man könnte meinen, dass früher, in der guten alten analogen Zeit, die Dinge viel einfacher gewesen sind. Die weltweit aufgenommenen Urlaubsfotos landeten im privaten Fotoalbum, wurden der Familie und den Freunden gezeigt und besonders gelungene Aufnahmen fanden vielleicht den Weg in einen selbst gebastelten Kalender. Dass ein auch noch so sehr engagierter Hobbyfotograf sein Foto verbreitet hätte, unter Umständen sogar weltweit, war wohl der absolute Ausnahmefall. Daher gab es auch eher selten Probleme, wenn im Urlaub unter Umständen Aufnahmen von urheberrechtlich geschützten Werken gemacht worden sind. Ein Problem entstand auch damals schon, wenn die Aufnahmen nicht mehr nur privat verwendet worden sind sondern diese beispielsweise bei einem Fotowettbewerb eingereicht wurden. Spätestens dann sollte sich auch damals der Hobbyfotograf darum gekümmert haben, dass ihm sämtliche Rechte auch wirklich zustehen.

Mit dem Siegeszug der sozialen Netzwerke und besonders aufgrund der weltweiten Erreichbarkeit der elektronischen Medien, betreffen diese rechtlichen Probleme der Urheberrechte nunmehr nahezu jeden, der in mindestens einem sozialen Netzwerk „unterwegs ist“.

Der Fotograf / die Fotografin ist wirklich gut beraten, sich vor Reiseantritt über die rechtlichen Bestimmungen auch hinsichtlich des Hobbys ausführlich zu informieren. Beispielsweise in Belgien, Frankreich, Italien, Griechenland, Luxemburg gibt es keine Panoramafreiheit. In anderen europäischen Ländern geht die Panoramafreiheit teilweise weiter als in Deutschland, beispielsweise in Österreich, unter Umständen ist sie außerhalb Deutschlands teilweise aber auch strenger reglementiert. Weitere Fallen lauern bei möglicherweise im Ausland geltenden Fotografierverboten für bestimmte Einrichtungen, Verhaltensregeln etc. pp.

Nur mit vorheriger ausführlicher Information und anschließender Beherzigung der Regeln kann man sich sicher sein, dass der Urlaubsspaß ungetrübt bleibt.

Als Literaturempfehlung möchte ich auf das wirklich sehr lesenswerte Buch „Recht für Fotografen“ des Rechtsanwaltskollegen und Präsidenten des Deutschen Verbandes für Fotografie (DVF) Wolfgang Rau verweisen.

Und jetzt wünsche ich allen einen schönen Urlaub. ;-)

 

Rechtsanwalt Matthias Ketzer, Dresden (Stand 10.07.2015)

 

 

 

 

 

 

 

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